Immer noch weiße Flecken auf der GIS-Landkarte…ein AGIT Review

Die AGIT 2019 fand zum 31. Mal vom 3. – 5. Juli 2019 in Salzburg statt. Neben traditionell GIS-bezogenen Branchen wie Logistik, Planung, Ressourcenmanagement lag der Fokus auch auf wachsende GIS-Einflüsse in anderen Bereichen, etwa der Sozialwissenschaft.

Das Forum „Mobilität in Bewegung“ beleuchtete die urbane Transformation und wie mithilfe innovativer Dienstleistungen und Mobilitätsservices Herausforderungen der Zukunft gemeistert werden können. Unter dem Aspekt „Perspektiven der nächsten Generation“ wurde die Podiumsdiskussion zum Thema 5G geführt: Experten und Entscheidungsträger aus Politik und Wirtschaft erläuterten wie zukünftig smarte Städte, das Internet der Dinge oder auch virtuelle und erweiterte Realität von diesem technologischen Generationensprung profitieren können. 

Ein interessanter Vortrag, der auch Problematiken mit eingangs erwähnten „GIS-ferneren Materien“ beleuchtete, kam von DI KURT PFLEGER und PETER SYKORA (Amt der OÖ Landesregierung):

„GeoRIS – exakte räumliche Festlegungen im Rechtsinformationssystem (RIS)“

Viele Gesetze, Verordnungen und Kundmachungen beziehen sich auf bestimmte Teile der Erdoberfläche. Meist werden die zu Grunde liegenden geometrischen Abgrenzungen verbal beschrieben oder es werden Karten und Pläne als Anhänge beigelegt. Beide Varianten haben allerdings den Nachteil, dass diese rechtlich relevanten Grenzziehungen einer automatisierten Weiterverarbeitung nicht zugänglich sind und dass sie nur mit beschränkter Genauigkeit reproduziert werden können.

Speziell im Bereich der Raumordnung wurden vom VfGH (Verfassungsgerichtshof) bereits etliche Verordnungen wegen mangelnder Genauigkeit von Abgrenzungen als gesetzeswidrig aufgehoben!

2019 sprach sich die Landesamtsdirektorenkonferenz dafür aus, das Thema auch im Rahmen der ÖROK zu behandeln. Bereits 2015 wurde im OÖ Verlautbarungsgesetz beschlossen, alle Anlagen im PDF/A Format bereitzustellen und „ggf. eine Zusatzdatei zur koordinatenbezogenen Zweifelabgrenzung im GML-Standard“ zu erstellen.

Auf der AGIT wurde bereits ein „Pilot“ vorgestellt, der in der Lage ist ein PDF mit integrierter GML-Datei hochzuladen. In einem einfachen Kartenviewer kann die Geometrie (samt Attributen) im KML-Format dargestellt werden. Zukünftig soll es möglich sein über die ÖROK bzw. über Implementierung der Services an das RIS geografische Sachverhalte kartenbezogen abrufen zu können.

Für diese Innovation bekam das Amt der OÖ Landesregierung, Abteilung Geoinformation und Liegenschaft, am 18.6.2019 eine Anerkennung im Rahmen der Verleihung des Österreichischen Verwaltungspreises 2019 in der Österreichischen Nationalbibliothek zugesprochen.

Diese Entwicklungen stimmen uns sehr positiv…

So haben auch wir schon vor geraumer Zeit, im Spaß, über wichtige – vermutlich fehlende! – Vorlesungen „Geografie für Juristen“ philosophiert. Es gibt viele Rechtsmaterien wo bisher eine seitenlange Lagebeschreibung einer digitalen Karte vorgezogen wird!

Und genau das lässt sich darauf zurückführen, dass GIS offenbar noch lange nicht überall dort angekommen ist, wo es heute eine Selbstverständlichkeit sein sollte!

Mit freundlicher Unterstützung von DI Kurt Pfleger und Peter Sykora (Amt der OÖ Landesregierung, Abteilung Geoinformation und Liegenschaft)